Aquaponik für die Wohnung: Planung und erste Schritte
Eine Aquaponik-Anlage in der Wohnung verbindet zwei Kreisläufe, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben: Fischhaltung und Pflanzenanbau. Fische produzieren über Kiemen und Ausscheidungen Ammonium, das Bakterien in Nitrat umwandeln. Dieses Nitrat dient den Pflanzen als Nährstoff, während sie gleichzeitig das Wasser reinigen. Das Ergebnis ist ein nahezu geschlossenes System, das weniger Wasser verbraucht als klassische Landwirtschaft und keinen Dünger benötigt. Wer sich intensiver mit den Grundlagen beschäftigen möchte, findet unter Aquaponik als Kreislaufsystem eine gute Einführung in die Zusammenhänge.
Für eine Wohnung eignen sich kompakte Systeme mit einem Volumen von 50 bis 150 Litern. Ein handelsüblicher IBC-Container ist zu groß, besser sind Kunststoffwannen oder ausgediente Aquarien. Als Fischart bieten sich Tilapia, Guppys oder Zwergbuntbarsche an, wobei Tilapia warmes Wasser um 26 Grad benötigen. Die Pflanzfläche besteht aus Hydrokulturschalen mit Blähton, in denen Salat, Kräuter, Chillis oder Tomaten wachsen. Entscheidend ist das Verhältnis: Pro zehn Liter Wasser sollte mindestens ein Kilogramm Fischmasse kommen, damit die Nährstoffe für die Pflanzen ausreichen.
Die Technik lässt sich in drei Bereiche gliedern. Erstens die Wasserförderung: Eine kleine Teichpumpe mit 300 bis 600 Litern pro Stunde drückt das Wasser aus dem Fischtank in das Pflanzbecken. Zweitens die Filtration: Ein mechanischer Vorfilter hält Feststoffe zurück, ein Biofilter mit Keramikringen oder Schwämmen beherbergt die nitrifizierenden Bakterien. Drittens die Belüftung: Eine Luftpumpe mit Ausströmerstein versorgt sowohl Fische als auch Bakterien mit Sauerstoff. Wer auf Stromausfälle vorbereitet sein will, hält eine batteriebetriebene Notfallpumpe bereit.
Der Start erfordert Geduld. Zuerst wird das System zwei bis drei Wochen ohne Fische betrieben, damit sich die Bakterienkulturen bilden. In dieser Phase gibt man etwas Ammoniumlösung oder Fischfutter ins Wasser, um die Nitrifikation anzukurbeln. Erst wenn Nitrit nicht mehr nachweisbar ist, ziehen die ersten Fische ein. Die Beleuchtung sollte zwölf bis vierzehn Stunden täglich laufen, idealerweise mit LED-Panels, die sowohl für Pflanzen als auch für Fische geeignet sind. Regelmäßige Kontrollen von pH-Wert, Temperatur und Nitratgehalt gehören zum Alltag. Mit etwas Erfahrung liefert eine kleine Anlage das ganze Jahr über frische Kräuter und Gemüse.