Warum manche Kerzen beim Abbrennen rußen und andere nicht
Kerzen, die rußen, sind ein Ärgernis. Der schwarze Rauch setzt sich an Wänden, Decken und Möbeln ab und lässt sich oft nur mühsam entfernen. Dabei liegt die Ursache selten am Wachs allein. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Wachs, Docht und den Zusätzen, die während der Herstellung beigemischt werden. Besonders Duftöle spielen eine zwiespältige Rolle. Sie verleihen der Kerze ihren Charakter, können aber die Verbrennung empfindlich stören.
Reines Paraffin oder Bienenwachs brennt relativ sauber, sofern der Docht richtig dimensioniert ist. Duftöle hingegen sind flüchtige organische Verbindungen, die einen niedrigeren Flammpunkt haben als das Wachs selbst. Wird zu viel davon zugegeben, verdampfen diese Stoffe schneller, als der Docht sie nachziehen kann. Die Folge: Ein Teil des Öls verbrennt nicht vollständig, es entstehen Rußpartikel. Zudem verändern viele Duftöle die Viskosität des geschmolzenen Wachses. Ein dickflüssigeres Wachs steigt langsamer im Docht auf, die Flamme erhält zu wenig Brennstoff und beginnt zu flackern – ein klassisches Zeichen für unvollständige Verbrennung. Ein erfahrener Kerzenmacher erkennt solche Probleme oft schon an einem Pilzkopf am Docht als Mischungsindikator, der auf ein falsches Verhältnis von Duftöl zu Wachs hindeutet.
Ein weiterer Faktor ist die Position des Duftöls im Wachs. Wird es nicht gleichmäßig verteilt, bilden sich Zonen mit unterschiedlicher Konzentration. Der Docht zieht dann mal zu viel, mal zu wenig Öl nach oben. Die Flamme wird instabil, rußt oder erlischt sogar. Auch die Art des Duftöls ist entscheidend: Manche synthetischen Aromen enthalten Lösungsmittel oder Fixateure, die den Brennprozess zusätzlich beeinträchtigen. Naturbelassene ätherische Öle verhalten sich anders als parfümierte Mischungen aus dem Labor. Wer selbst Kerzen gießt, sollte die Duftölmenge daher vorsichtig dosieren – in der Regel liegt die Obergrenze bei etwa sechs bis zehn Prozent des Wachsgewichts. Eine zu hohe Zugabe führt fast immer zu Ruß, selbst bei einem eigentlich gut abgestimmten Docht.
Die Qualität des Dochts kann die Probleme teilweise ausgleichen. Ein Docht mit größerem Durchmesser oder einer speziellen Flechtung fördert die Kapillarwirkung und gleicht schwankende Ölmengen besser aus. Dennoch bleibt die Duftölzugabe der kritischste Punkt. Wer rußende Kerzen vermeiden will, sollte auf ein ausgewogenes Verhältnis achten, den Docht regelmäßig kürzen und beim Abbrennen für ausreichend Sauerstoff sorgen. Dann bleibt die Flamme sauber – und der Duft entfaltet sich, ohne unerwünschte Spuren zu hinterlassen.